Oder: Warum ich lieber 200 Stunden programmiere, als 20 Euro im Monat für Buchhaltungssoftware zu zahlen


Der Moment, in dem ich den Verstand verloren habe

Es war ein Dienstag. Oder vielleicht ein Donnerstag. Die Tage verschwimmen, wenn man sich mit Steuerberater-Kommunikation, Belegsortierung und der Frage „Warum zur Hölle habe ich diesen Kassenzettel von 2023 noch?“ herumschlägt.

Ich saß da, umgeben von Papierbergen, die aussahen wie die Überreste einer Büro-Katastrophe, und versuchte, meine Einnahmen-Überschuss-Rechnung für das Finanzamt zusammenzukriegen. Und dann kam der Moment:

„Für nur 29,90 Euro im Monat… Abo. Immer. Für immer. Bis die KI deine Buchhaltung macht und du arbeitslos bist.“

Lexware. DATEV. All diese verdammten Abo-Modelle. Als ob ich nicht schon genug monatliche Zahlungen hätte. Streaming-Dienste, Cloud-Speicher, diese eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio, die ich seit 2019 nicht gekündigt habe… und jetzt auch noch Buchhaltung als Service?

Ich habe mich gefragt: „Warum kann ich nicht einfach eine lokal laufende, datenschutzfreundliche Lösung haben, die mir meine EÜR berechnet, ohne dass ich jeden Monat bluten muss?“

Die Antwort: Kann ich. Also hab ich’s gemacht.


BüroHelfer AI – oder: Wie ich zum Steuer-Entwickler wurde

Was als Frustrationsprojekt begann, ist jetzt ein voll funktionsfähiges Buchhaltungssystem. Ironischerweise habe ich mehr Zeit in die Entwicklung gesteckt, als ich jemals für ein Lexware-Abo bezahlt hätte. Aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist das Prinzip. Oder so.

Was kann dieses Ding?

  • Mandantenfähigkeit: Ja, ich kann mehrere Firmen verwalten. Nicht dass ich mehrere hätte – aber der Gedanke zählt.
  • Einnahmen-Überschuss-Rechnung: Berechnet automatisch nach § 4 Abs. 3 EStG. Klingt offiziell, ist es auch.
  • Umsatzsteuer-Voranmeldung: Inklusive ELSTER-Schnittstellen-Daten. Theoretisch. Praktisch müsst ihr’s immer noch selbst prüfen.
  • Alles lokal: Eure Daten bleiben bei euch. Kein Cloud-Anbieter, der eure Belege für Werbezwecke auswertet. (Ok, ich weiß nicht, ob Lexware das macht, aber irgendwie fühle ich mich sicherer.)

Das Beste: Man kann auf die Zahlen klicken!

Ja, ihr habt richtig gehört. In der EÜR-Tabelle kann man jede einzelne Zahl anklicken und sieht, woher dieser Betrag kommt. Welcher Beleg, welche Rechnung, welche Ausgabe. Kein Rätselraten mehr. Kein „Hmm, wo kommen diese 847,32 Euro jetzt her?“.

Das ist für mich das Killer-Feature. Ich hasse es, wenn Software mir Zahlen präsentiert, ohne mir zu sagen, wo sie herkommen. Das ist wie ein Taschenrechner, der nur das Ergebnis zeigt, aber nicht die Eingabe. Total nutzlos.


Aber: Ich bin kein Steuerberater!

Und hier kommt der obligatorische Disclaimer, den ich in die Software eingebaut habe, weil ich keine Lust auf Klagen habe:

ICH BIN KEIN STEUERBERATER. Ich bin ein Typ, der gerne programmiert und keine Lust auf Abo-Modelle hat. Diese Software ist „as is“. Wenn ihr damit eure Steuererklärung verkackt, ist das euer Problem. Prüft alles selbst. Oder holt euch einen richtigen Steuerberater. Der kostet zwar auch Geld, aber wenigstens weiß der, was er tut.


Warum ich das auf GitHub veröffentlichen will

Eigentlich ist das Ding nur für mich. Aber dann dachte ich: „Vielleicht gibt es noch andere verrückte Selbstständige, die keine Lust auf Abo-Modelle haben.“

Also überlege ich, BüroHelfer AI auf GitHub zu stellen. Open Source. Kostenlos. Zur freien Verwendung.

Die Vorteile:

  • Ihr könnt es selbst hosten (kein Abo!)
  • Ihr könnt es anpassen (wenn ihr coden könnt)
  • Die Daten bleiben bei euch
  • Ich bekomme vielleicht ein paar Sternchen auf GitHub (das ist das, womit Open-Source-Entwickler ihre Mutter lieben)

Die Nachteile:

  • Es gibt keinen Support (außer ich habe gute Laune)
  • Es könnte Bugs geben (ich bin kein professioneller QA-Tester)
  • Wenn es bei euch nicht funktioniert, müsst ihr es selbst fixen (oder einen Entwickler bezahlen, der euch hilft – das ist dann auch teuer)

Technisch: Das steckt drin

Für die Nerds unter euch:

  • React 18 mit Vite (weil es schnell ist)
  • TypeScript (weil ich keine Lust auf Runtime-Fehler habe)
  • Tailwind CSS (weil ich kein CSS schreiben will)
  • Alles läuft im Browser (weil Server Geld kosten)

Das coole: Es ist 100% offline-fähig. Ihr könnt es auf eurem Rechner laufen lassen, auf einem NAS, auf einer FRITZ!Box, auf einem Toaster mit Internetzugang… überall, wo ein Browser läuft.


Der Haken (weil’s immer einen gibt)

Die Einrichtung ist nicht ganz trivial. Man braucht Node.js, muss ein paar Befehle im Terminal ausführen… das ist nichts für Technik-Muffel.

Aber hey: Dafür spart man sich das Abo. Und hat die Kontrolle. Und kann sagen: „Meine Buchhaltung läuft auf meinem selbst programmierten System.“

Das ist, als würde man sein Brot selbst backen, während andere beim Bäcker kaufen. Unpraktisch, aber irgendwie befriedigend.


Fazit: Sollte ich es veröffentlichen?

Ich tendiere zu Ja.

Weil ich glaube, dass es andere gibt, die genauso genervt sind von der Abo-Kultur. Die keine Lust haben, jeden Monat Geld für Software auszugeben, die sie eigentlich nur ein paar Mal im Jahr brauchen. Die ihre Daten lieber selbst kontrollieren.

Und wenn’s nur ein paar Leute sind, die es nutzen – immerhin habe ich dann etwas Sinnvolles mit meinem Frust gemacht.


P.S.: Wenn ihr jetzt denkt „Mensch, der Typ ist ja ganz schön zynisch“ – ja, bin ich. Aber wenigstens hab ich euch kostenlose Buchhaltungssoftware gebaut. Das ist mehr, als die meisten Abo-Anbieter für euch tun. 😉

P.P.S.: Nehmt das mit der FRITZ!Box nicht zu ernst. Aber wenn jemand BüroHelfer AI auf einem Toaster zum Laufen bringt, will ich ein Video davon sehen.